Geschmackloser Tweet von Bundestagsabgeordneter Bettina Kudla über einen von Erdoğan verfolgten Regimekritiker

Man könnte schon ganz schön müde werden bei all den ganzen Verbalentgleisungen und populistischem Brechreizgedöns jener Tage. Fühlt sich ja schon an wie rhetorisches Flaschendrehen — jetzt bist du mal dran mit öffentlichkeitswirksamem Dünnschiss. Horst fummelt besonders gern am Flaschenhals ... apropos Dünnschiss. Den brachte die Bundestagsabgeordnete aus Leipzig vorhin paar excellence. Ein verdienter Shitstorm für diesen 💩

Finden nicht mal Kindergartenkinder lustig und ist schon gar nicht “ulkig”, wenn man weiß, um wen es hier geht. Can Dündar ist ein im Exil lebender Journalist und ehemaliger Chefredakteur einer kritischen Tageszeitung. 2015 stellte Präsident Erdoğan persönlich gegen Dündar Strafanzeige wegen Spionage-Verdachts, im Mai diesen Jahres wurde er für die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen für schuldig befunden und zu sechs Jahren Haft verurteilt. Der Haftstrafe konnte er durch Flucht ins Ausland entgehen.

“Das hätten die versammelten Erdoğan-Trolle nicht schäbiger formulieren können.” schreibt einer als Antwort auf diesen Tweet — der insgesamt bedeuten könnte, dass man im Bundestag weniger W-Lan und/oder Wein zur Verfügung stellen sollte.

Außerdem erinnern einige Kommentatoren an den Usus im Nationalsozialismus, sich in dieser Art über jüdische Namen lustig zu machen. Neben Fremdschäm- noch ein besonderer Ekel-Faktor.

Und sowieso: “Da twittert die Verzweiflung. Vielleicht klappt es ja mit Provokation und Tabubrüchen. Können Sie auch Inhalte?” — fragt sich nicht nur dieser Tweeter.

Die CDU-Chefin selbst muss sich also nicht nur das eklige Schwesterpartei-Bashing im Afd-Konkurrenzstechschritt gefallen lassen, sondern kann auch Kinderquatsch mit Politik in den eigenen Parteireihen erwarten. Da bleiben nur noch müde Besänftigungsversuche, die demokratie-taktisch natürlich wirklich wichtig wären. Nur hört ja keiner. Vor wenigen Tagen mahnte Merkel noch

Wenn wir anfangen, uns sprachlich und tatsächlich an denen zu orientieren, die an Lösungen nicht interessiert sind, verlieren am Ende wir die Orientierung.

Die Herde ist schon zu den Wölfen übergelaufen. Im Blutrausch für den Wählerlass von der AfD — Geschmacklosigkeiten inklusive. Auch das kennt die deutsche Geschichte ja irgendwie schon ...

Und wenn sie nicht geshitstormt wurden, dann tweeten sie noch heute #Dünnschiss.

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